FAQ zum Thema Arbeit für Geflüchtete

Wer darf  in Deutschland arbeiten? Welche Möglichkeiten gibt es, ein Praktikum zu absolvieren? Was ist mit Selbständigkeit? Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund ums Thema Arbeiten für Flüchtlinge in Deutschland.


(c) Birgit Betzelt / DCV
(c) Birgit Betzelt / DCV
07. November 2016
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Umgangssprachlich sind alle Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen, Flüchtlinge. Rechtlich ist es komplizierter. Nach Artikel 16a des Grundgesetzes können politisch Verfolgte in Deutschland Asyl beantragen. Das bedeutet:  Kommt ein Mensch nach Deutschland, um Asyl zu suchen, sprechen wir von „Asylsuchenden“ oder „Schutzsuchenden“.  Sobald er beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Asyl beantragt hat, ist die Bezeichnung „AsylbewerberIn“ oder Schutzsuchende im laufenden Asylverfahren korrekt. Kann er nachweisen, dass er aus politischen Gründen in seiner Heimat vom Staat verfolgt wird, erhält er Asyl und ist damit „asylberechtig“.

Schutz gewährt Deutschland auch jenen, die aus Kriegsgebieten fliehen. Dazu hat Deutschland 1951 gemeinsam mit fünf anderen Ländern die Genfer Flüchtlingskonvention unterzeichnet; mittlerweile haben sich 143 Staaten diesem internationalen Vertrag angeschlossen. Die Staaten verpflichten sich damit, Schutzsuchenden nach bestimmten Standards zu behandeln. Wird im Asylverfahren festgestellt, dass der Bewerber das Recht auf Flüchtlingsschutz zuerkannt wird, wird er/sie als anerkannter Flüchtling bezeichnet.

Wenn sowohl die Asylberechtigung als auch die Flüchtlingseigenschaft nicht gewährt wird und dennoch und im Herkunftsland ein ernsthafter Schaden für den/die Schutzsuchende/n zu erwarten ist (bsp. durch Todesstrafe, Folter, Kriegs-oder Bürgerkriegssituation) kann ein/e Asylsuchende/r auch einen subsidiären Schutzstatus zuerkannt bekommen. Diese Regelung leitet sich aus dem Europarecht ab.

Bei  Menschen, deren Asylantrag durch das BAMF als unberechtigt  abgelehnt wurde, kann dennoch ein Abschiebeverbot durch das BAMF erteilt werden.  Aus unterschiedlichen Gründen wird der weitere Aufenthalt aber geduldet.

Um das herauszufinden haben Studenten und Professoren der Uni Würzburg den „Job-Tree“ entwickelt. Dabei handelt es sich um ein einfaches Frage-Antwort-Tool, mit dessen Hilfe Ehrenamtliche mit wenigen Klicks herausfinden können, welche individuellen Arbeitsmöglichkeiten der betreute Flüchtling hat. Darüber hinaus liefert der „Job-Tree“, basierend auf den Antworten,  auch Informationen über staatliche Fördermaßnahmen und finanzielle Zuschüsse für den Flüchtling bzw. das aufnehmende Unternehmen.  Auf nachfolgenden Informationsseiten erhalten Nutzer zusätzliche Handlungsempfehlungen und Informationen über anschließende Schritte.

Der Job Tree wird von der Initiative IntegrAi.de ständig überprüft, weiterentwickelt und benutzerfreundlich gestaltet. Der „Job-Tree“ ist aktuell in der BETA-Version und kann hier getestet werden.“

Das ist sehr unterschiedlich. Ein Teil der geflüchteten Menschen verfügt über akademische Abschlüsse. Andere sind ausgebildete Fachkräfte, wieder andere haben keine formale Ausbildung absolviert, sind nie zur Schule gegangen und möglicherweise Analphabeten. Viele qualifizierte Menschen haben das Problem, dass erworbene Abschlüsse mangels entsprechender Dokumente nicht nachgewiesen werden können, weil sie beispielsweise auf der Flucht verloren gegangen sind oder nicht mit denen in Deutschland vergleichbar sind. Trotzdem haben viele dieser Menschen in ihren Heimatländern berufliche Kenntnisse und Erfahrungen erworben, die für Unternehmen in Deutschland interessant sein können.

Eine nicht-repräsentative Studie des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gibt einen groben Überblick über die Qualifikation derGeflüchteten. Rund 18 Prozent der Asyl-Erstantragsteller gaben an, dass sie eine Hochschule besucht haben. 20 Prozent haben nach eigenen Angaben ein Gymnasium besucht, 32 Prozent eine Mittelschule. Dabei gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsländern: Menschen aus Syrien und Iran sind in der Regel besser gebildet als der Durchschnitt der Asylbewerber.

Seit Oktober 2015 können bereits in der Erstaufnahme-Einrichtung die Bildungsabschlüsse und beruflichen Qualifikationen der Asylbewerber erfasst werden.

Durch ein eigenes Verfahren können Asylbewerber ihre Abschlüsse in Deutschland anerkennen lassen. Ob der Berufsabschluss in Deutschland anerkannt wird, hängt davon ab, ob er im Vergleich zu dem entsprechenden deutschen Abschluss gleichwertig ist. Die Anerkennungsberatung wird bundesweit über die IQ-Netzwerke durchgeführt.

In einem ersten Schritt müssen sich Antragsteller entscheiden, mit welchem konkreten, deutschen Berufsabschluss sie Ihren Abschluss vergleichen lassen wollen. Nachdem die Unterlagen eingereicht wurden, wird geprüft, ob wesentliche Unterschiede zwischen dem im Ausland erworbenen Berufsabschluss und dem deutschen Berufsabschluss bestehen. Wenn das der Fall ist, wird geprüft, ob die Unterschiede durch andere Nachweise oder durch Berufserfahrung ausgeglichen werden können. Falls die Unterlagen für die Bewertung des Berufsabschlusses nicht ausreichen, kann auch eine Qualifikationsanalyse z.B. über Arbeitsproben oder Fachgespräche erfolgen. Wenn alle Unterlagen vollständig sind, sollte das Verfahren in der Regel nicht länger als drei Monate dauern.

Wenn keine wesentlichen Unterschiede zwischen der Qualifikation und dem deutschen Abschluss festgestellt werden, wird die vollständige Gleichwertigkeit bescheinigt beziehungsweise bei reglementierten Berufen die Berufszulassung erteilt.

Wenn im Verfahren wesentliche Unterschiede zwischen der ausländischen Qualifikation und dem deutschen Berufsabschluss festgestellt werden, erhalten Antragsteller in den nicht-reglementierten Berufen einen Bescheid, in dem diese Unterschiede genau beschrieben werden. Damit können sie sich direkt bei Arbeitgebern bewerben oder sich auch eine individuell passende Weiterbildung aussuchen. Bei reglementierten Berufen können sie die Unterschiede ausgleichen. Je nach Beruf müssen sie dafür an einer Qualifizierungsmaßnahme oder einer fachlichen Prüfung teilnehmen.

Die Asylbewerber und anerkannten Flüchtlinge müssen nicht nur Fachkenntnisse nachweisen, sondern auch die Fachsprache auf Deutsch beherrschen. Wenn die zuständige Stelle wesentliche Unterschiede feststellt, können die Flüchtlinge Weiterbildungen besuchen und Prüfungen ablegen, um eine Anerkennung zu erreichen.

In manchen Fällen ist die Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses Voraussetzung, um in Deutschland überhaupt in diesem Beruf arbeiten zu dürfen. Das gilt zum Beispiel für bestimmte Handwerksberufe, für Ärzte, Krankenpfleger, Erzieher und Lehrer. In den meisten Berufen ist die Anerkennung nicht zwingend erforderlich. Sie erhöht aber meist die Chancen auf eine Stelle.

Wenn Geflüchtete ihre berufliche Qualifikationen nicht durch Zeugnisse belegen können, weil sie diese auf der Flucht verloren haben, können Fähigkeiten und Kenntnisse auch durch Arbeitsproben, Fachgespräche oder eine praktische Prüfung nachgewiesen werden.

Für das Anerkennungsverfahren fallen Gebühren an. Sollten die AntragstellerInnen arbeitssuchend gemeldet sein oder Sozialleistungen beziehen, können die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen durch staatliche Stellen übernommen werden.

Einen Überblick über das Verfahren gibt die Datenbank Anerkennung in Deutschland unter dem Link:  www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/

Das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) regelt, wie Asylsuchende versorgt werden. Das, was sie für das tägliche Leben brauchen, erhalten sie als Sachleistungen, solange sie in der Erstaufnahme-Einrichtung oder in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Dazu gehören sogenannte Grundleistungen (Essen, Unterkunft, Heizung, Kleidung, Gesundheits- und Körperpflege, Haushaltswaren), ein Geldbetrag für notwendige persönliche Bedürfnisse („Taschengeld“), medizinische Leistungen bei Krankheit, Schwangerschaft und Geburt sowie Schutzimpfungen und – im Einzelfall – auch weitere Leistungen.

Wenn Asylbewerber nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnen, können die Grundleistungen auch ausgezahlt werden. Zum Beispiel erhalten Alleinstehende dann 216 Euro monatlich für Essen, Unterkunft und andere Grundbedürfnisse.

Mit dem sogenannten Asylpaket II wurde das „Taschengeld“  gekürzt. Alleinstehende erhalten nur noch maximal 135 Euro für ihren persönlichen Bedarf.

Minderjährige Flüchtlinge, die alleine reisen, erhalten besondere Betreuung. Seit Januar 2016 begleitet ein gesetzlicher Vertreter junge Geflüchtete unter 18 Jahren durch das Asylverfahren. Außerdem können Inhaber bestimmter Aufenthaltstitel seit Januar 2016 nach 15 Monaten BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe bekommen. Früher mussten sie dafür bereits vier Jahre in Deutschland sein. Sie müssen einen Teil des Studien-BAföGs – wie deutsche Studenten – einige Jahre nach dem Studium zurückzahlen. Das gilt auch, wenn sie dann nicht mehr in Deutschland leben. Den Zuschuss für eine schulische Berufsausbildung müssen sie dagegen – genau wie deutsche Auszubildende – nicht zurückzahlen.

Für staatliche Hilfen gelten strenge gesetzliche Voraussetzungen: Bevor Asylbewerber Leistungen bekommen, müssen sie grundsätzlich eigenes Vermögen oder Einkommen aufbrauchen. Dazu zählt auch das Einkommen oder Vermögen der Familienangehörigen, die im selben Haushalt leben. Für das Vermögen gilt ein Freibetrag von 200 Euro pro Familienmitglied. Wer in einer Flüchtlingsunterkunft wohnt und Einkommen oder Vermögen hat, muss der Kommune die Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und andere Sachleistungen erstatten.

Asylsuchende erhalten die vollen Leistungen erst, nachdem sie in der Aufnahmeeinrichtung angekommen sind, die ihnen zugewiesen wurde. Geldleistungen werden höchstens einen Monat im Voraus ausgezahlt.

Medizinische Leistungen können Asylbewerber nur in Anspruch nehmen, wenn sie akut krank sind. Um Krankheiten vorzubeugen, erhalten sie auch Schutzimpfungen. Einige Bundesländer haben eine Gesundheitskarte für Asylsuchende eingeführt, um die Abrechnung der Leistungen zu vereinfachen.

Bei Asylbewerbern und Geduldeten muss zuerst eine Frist von drei Monaten vergehen, ehe sie eine Arbeitsstelle annehmen können. Bei Asylbewerbern beginnt diese Frist mit der Äußerung eines Asylgesuchs, bei Geduldeten mit dem Duldungsbescheid, wobei ein vorangegangener Aufenthalt angerechnet wird.

Ansonsten kann nach drei Monaten gestatteten Aufenthalts die Arbeitsaufnahme erlaubt werden. Die Erlaubnis zur Ausübung einer Beschäftigung setzte bisher regelmäßig die Vorrangprüfung sowie die Prüfung der Beschäftigungsbedingungen durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) in den ersten 15 Monaten des Aufenthalts voraus. Die Vorrangprüfung bedeutet, dass eine Arbeitserlaubnis nur dann erteilt wird, wenn keine deutsche Arbeitskraft oder eine ausländische Arbeitskraft mit gefestigtem Aufenthaltsrecht zur Verfügung steht. Durch das am 31. Juli 2016 in Kraft getretene Integrationsgesetz  wird die Vorrangprüfung bei der Beschäftigung von Asylbewerber(innen) und Geduldeten zum 6. August 2016 in 133 von 156 Bezirken der Bundesagentur für Arbeit für drei Jahre ausgesetzt. Weitere Informationen zur Aussetzung der Vorrangprüfung finden Sie hier: http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2016/erleichterter-arbeitsmarktzugang-fluechtlinge.html
Es gibt bestimmte Beschäftigungsarten, für die von Grund auf keine Zustimmung der Arbeitsagentur erforderlich sind. Hierzu zählen eine Berufsausbildung, Praktika zu Weiterbildungszwecken, Freiwilligendienst oder die Arbeitsaufnahme von Hochqualifizierten. Ob die konkrete Beschäftigung zustimmungsfrei ist, prüft die Ausländerbehörde in jedem Einzelfall.  Auch bei zustimmungsfreien Beschäftigungen gilt für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung die Drei-Monats-Frist, in der sie keiner Beschäftigung nachgehen dürfen. Für Personen mit einem Duldungsstatus entfällt die Drei-Monats-Frist.

 

Die Feststellung, dass eine Besetzung offener Stellen mit ausländischen Arbeitnehmern arbeitsmarkt- und integrationspolitisch verantwortbar ist, kann von der Bundesagentur für Arbeit auch pauschal für einzelne Berufsgruppen oder Wirtschaftszweige festgestellt werden. Diese sind in der sogenannten Positivliste zu finden. Hier der Link: https://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mta4/~edisp/l6019022dstbai447048.pdf

Die Bundesagentur nimmt auch Prüfungen der Arbeitsbedingungen vor; diese bezieht sich auf eine konkrete Stelle und prüft insbesondere den Verdienst und die Arbeitszeiten. Damit werden für Personen mit einer Aufenthaltsgestattung oder einer Duldung gleichwertige Arbeitsbedingungen wie für Personen mit uneingeschränkter Arbeitserlaubnis gewährleistet.Nach 15 Monaten entfällt die Vorrangprüfung. Nach vier Jahren entfällt die Pflicht zur Zustimmung der BA und es gilt ein völlig unbeschränkter Arbeitsmarktzugang.

Flüchtlinge (Asylberechtigte, anerkannte Flüchtlinge und subsidiär ankerkannte Flüchtlinge) dürfen jede Beschäftigung annehmen. Sie sind Arbeitnehmer mit allen Rechten und Pflichten. Arbeitgeber müssen keine besonderen Vorschriften beachten.

Zeitarbeit beziehungsweise eine Beschäftigung als Leiharbeitnehmer ist für Personen, die eine Aufenthaltsgestattung oder eine Duldung besitzen, grundsätzlich möglich. Dabei gelten jedoch die gleichen Kriterien, wie bei einer Festanstellung, ob eine vorherige Zustimmung oder Vorrangprüfung erforderlich ist oder nicht. Nähere Auskünfte erteilen die örtlichen Ausländerbehörden und die Agentur für Arbeit.

Asylsuchende, Asylbewerberinnen bzw. Asylbewerber und geduldete Personen können nicht ohne Weiteres einen Minijob ausüben. Sie müssen auch für eine geringfügige Beschäftigung einen Antrag auf Genehmigung zur Beschäftigung stellen. Die Ausländerbehörde kann nach Ablauf der Wartezeit die geringfügige Beschäftigung genehmigen. Die Bundesagentur für Arbeit erhält dafür eine Zustimmungsanfrage durch die Ausländerbehörde und nimmt  dann eine Arbeitsmarktprüfung vor.

Personen, die eine Aufenthaltsgestattung besitzen, dürfen grundsätzlich keiner selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Dagegen dürfen Personen, die eine Duldung besitzen, eine selbstständige Tätigkeit ausüben, wenn dies die Ausländerbehörde ausdrücklich erlaubt hat.

Nein.  Die Integrationsleistung des Einzelnen spielt bei der Prüfung des Asylantrags im Hinblick auf die Gewährung von asylrechtlichem Schutz keine Rolle. Bei Personen mit einer Duldung hingegen werden die individuellen Umstände und Integrationsleistungen bei der Verlängerung der Duldung bzw. bei der Erteilung eines Aufenthaltstitels berücksichtigt.

Der Arbeitsverdienst wird auf die Leistungen, die sich nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bemessen, angerechnet. Nähere Auskünfte erteilt das örtlich zuständige Sozialamt.

Bei Aufnahme einer Berufsausbildung kann aber je nach Ausbildungsart und persönlichen Umständen ein Anspruch auf Ausbildungsförderung bestehen. Dies führt zwar zum Wegfall des Anspruchs nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, es kann jedoch ein Anspruch auf Wohngeld bestehen. Weitere Auskünfte zur Berufsausbildung und -förderung erteilen die Berufsberatung der örtlichen Arbeitsagentur und zur sozialen Sicherung die städtischen Stellen, wie Wohngeldamt oder BAföG-Amt.

Für Asylsuchende aus sicheren Herkunftsstaaten, die nach dem 31.08.2015 einen Asylantrag gestellt haben, gilt unbefristet ein generelles Arbeitsverbot (§ 61 Abs. 2 AsylG).

Auch Geduldete aus sicheren Herkunftsstaaten dürfen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn ihr nach dem 31. August 2015 gestellter Asylantrag abgelehnt wurde. Sichere Herkunftsländer sind: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien.

Nach drei Monaten gestatteter Aufenthalt kann die Arbeitsaufnahme durch die zuständige Ausländerbehörde erlaubt werden. Dies gilt nicht für  Menschen, die in einer Erstaufnahmeeinrichtung wohnen. Für sie gilt ein Arbeitsverbot. Auch für Asylsuchende aus sicheren Herkunftsstaaten, die nach dem 31.08.2015 einen Asylantrag gestellt haben, gilt unbefristet ein generelles Arbeitsverbot.

Für anerkannte Flüchtlinge gilt die Wohnsitzregelung: Das bedeutet, dass Personen, die Sozialleistungen beziehen, ihren Wohnsitz nicht frei wählen dürfen. Grundsätzlich haben Geflüchtete die ersten drei Jahre ab Anerkennung oder Erteilung der Aufenthaltserlaubnis die Pflicht, den gewöhnlichen Aufenthalt (Wohnsitz) in dem Bundesland zu nehmen, in das sie zur Durchführung des Asylverfahrens zugewiesen worden sind. Die Wohnsitzverpflichtung kann aufgehoben werden, wenn eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem Umfang von mindestens 15 Stunden wöchentlich aufgenommen wird.

Anerkannte Flüchtlinge können sofort eine Ausbildung beginnen. Sie können eine  Förderungen durch die zuständige Arbeitsagentur und das Jobcenter bekommen. Asylbewerber können nach Ablauf der dreimonatigen Wartefrist eine Ausbildung aufnehmen, sofern die Ausländerbehörde zustimmt Geduldete können eine Ausbildung mit Zustimmung der Ausländerbehörde ab dem 1. Tag der Duldung beginnen.

Die Auszubildenden erhalten eine Duldung für die Gesamtzeit der Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss kann der Azubi in seinem Ausbildungsbetrieb weiter beschäftigt werden, er erhält eine Aufenthaltserlaubnis für zwei Jahre. Diese befristete Arbeitserlaubnis gilt auch, wenn der Geduldete eine seinem Abschluss entsprechende und ausreichend bezahlte Stelle in einem anderen Betrieb findet.

Praktika für Flüchtlinge sind generell möglich. Bei Asylsuchenden, Asylbewerbern und Geduldeten muss für die Aufnahme eines Praktikums die gleiche Wartefrist beachtet werden wie bei der Aufnahme einer Arbeit. Während der Unterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung dürfen sie kein Praktikum ausüben. Für Asylsuchende, Asylbewerber und geduldete Personen aus sicheren Herkunftsländern sind keine Praktika möglich.

Praktika eignen sich zum gegenseitigen Kennenlernen oder um Kenntnisse und Fähigkeiten zu testen, zu erwerben bzw. zu vertiefen. Wenn der Praktikant in die regulären Betriebsabläufe eingebunden wird und mitarbeitet, ist das Praktikum in der Regel mit einem Beschäftigungsverhältnis gleichzusetzen und muss – bei Asylsuchenden, Asylbewerbern und Geduldeten – von der Ausländerbehörde genehmigt werden Die Praktikantinnen und Praktikanten sind für ihre Tätigkeit unter Beachtung des Mindestlohngesetzes zu entlohnen.

Im Jahr 2015 hatten rund 43 Millionen Menschen Arbeit in Deutschland. Die Arbeitslosigkeit sank mit durchschnittlich 2,79 Millionen Arbeitslosen auf den tiefsten Stand seit 1991. Viele Stellen und Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Die zunehmend älter werdende Gesellschaft in Deutschland wird ohne die Zuwanderung von jungen Fachkräften kaum auskommen.  Eine Verdrängung von Geflüchteten Menschen wird überdies durch die Vorrangprüfung in Regionen mit einer hohen Arbeitslosigkeit, bspw. in Mecklenburg-Vorpommern geprüft. Die Zustimmung der Arbeitsagentur  umfasst für jedes  Arbeitsverhältnis eine Gleichwertigkeitsprüfung. Dadurch werden Beschäftigungsverhältnisse, insbesondere hinsichtlich der Bezahlung (nach Tarif bzw. Mindestlohn), geprüft.

Wer akut erkrankt ist oder Schmerzen hat, wird medizinisch versorgt. Sowohl der Arztbesuch als auch notwendige Arznei- und Verbandsmittel werden in diesen Fällen bezahlt.

Die Bundesärztekammer hat berechnet, dass die Gesundheitskosten für einen Asylbewerber durchschnittlich 2.300 Euro pro Jahr betragen. Das sind 600 Euro weniger als bei einem Deutschen.

Erst mit der Anerkennung des Asylantrags werden Flüchtlinge Mitglieder in der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Rentenversicherung in Deutschland ist umlagefinanziert. Das heißt: Nur wer einzahlt, erhält auch Leistungen. Wie hoch die Rente ist, hängt davon ab, wie lange und wie viel man eingezahlt hat. Bevor eine Rente ausgezahlt wird, muss man außerdem eine bestimmte Zeit versichert gewesen sein.

 

Auch Flüchtlinge und Asylbewerber erhalten nur dann eine Rente, wenn sie vorher Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt und die „Mindestversicherungszeit“ erfüllt haben.

Wenn es gelingt, Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird das dem Rentensystem nützen. Denn die vorwiegend jungen Flüchtlinge werden dann über viele Jahrzehnte in die Rentenversicherung einzahlen, bevor sie selbst eine Rente erhalten. Sie finanzieren damit zwischenzeitlich auch die Renten der älteren Generationen mit.

Beim Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit finden Unternehmer, die Flüchtlinge einstellen wollen, Unterstützung bei der Personalsuche. (hier der Link: https://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Unternehmen/index.htm)

Eine andere Möglichkeit ist das Netzwerk „Integration durch Qualifikation“. Hier können Arbeitgeber, die bereits einen Schritt weiter sind, sich zudem über ausländische Abschlüsse und Integration im Betrieb informieren. (Link: http://www.netzwerk-iq.de/)

Außerdem gibt es mehrere Jobbörsen, die sich auf die Vermittlung von Jobs für Flüchtlinge in Deutschland spezialisiert haben. Eine Auflistung der wichtigsten Jobbörsen findest du hier.

Flüchtlinge einzustellen birgt  auch für kleine und mittelständische Unternehmen eine Reihe von Vorteilen: Neben den interkulturellen Kompetenzen, die Flüchtlinge mitbringen, sind sie häufig jung. hoch motiviert und zeigen eine sehr starke Leistungsbereitschaft. Darüber hinaus bringen sie Sprachkenntnisse mit.

Es ist sinnvoll, eine Person im Betrieb als Ansprechpartner  sowohl für die neu eingestellten Geflüchteten, als auch für alle anderen Mitarbeiter zu benennen. So können Fragen und Probleme konkret an einer Stelle gesammelt und besprochen werden. Das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ berät Unternehmen, von der Einstellungs- bis zur Einarbeitungsphase, und gibt Informationen zu möglichen Förderungen.

Der Erwerb von Deutschkenntnissen (sowohl allgemeinsprachlich als auch berufsbezogen) ist notwendige Voraussetzung für die berufliche Integration von Flüchtlingen. Die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angebotenen Integrationskurse zielen auf den allgemeinen Spracherwerb ab. Kurse zur berufsbezogenen Deutschförderung gibt es im Rahmen des ESF-BAMF-Programms.

http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/DeutschBeruf/Deutschberuf-esf/deutschberuf-esf.html?nn=7900400

Daneben bieten zahlreiche lokale Initiativen Deutschkurse für AusländerInnen an. Unternehmen können sich in Zusammenarbeit mit diesen Initiativen bei der Organisation solcher Kurse engagieren. In der Regel werden die Teilnehmenden von der Arbeitsagentur, den Jobcentern und dem Programm „Integration von Asylsuchenden und Geflüchteten“ in die Sprachkurse vermittelt. Für Auszubildende sind die Sprachkurse grundsätzlich kostenfrei.

Alle Informationen zum Thema Sprachenlernen hat das BAMF hier zusammengestellt. http://www.bamf.de/DE/Willkommen/DeutschLernen/deutschlernen-node.html

Das BAMF hat die Situation bei der Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt wissenschaftlich untersuchen lassen. Die Studie kann unter diesem Link heruntergeladen werden. http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Kurzanalysen/kurzanalyse1_qualifikationsstruktur_asylberechtigte.pdf?__blob=publicationFile

Das Bundesministerium des Innern hat mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks einen vierseitigen Flyer herausgegeben, der Grundfragen beantwortet. http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/MigrationIntegration/AsylZuwanderung/Flyer_Berufsausbildung_von_Fl%C3%BCchtlingen.pdf;jsessionid=5B475ED02772D2DB13562D5F48764A4F.2_cid373?__blob=publicationFile

Die Internetplattform des Kompetenzzentrums für Fachkräftesicherung KOFA, bietet übersichtlich wichtigen Infos rund ums Thema Beschäftigung, Praktika und Beschäftigung von Geflüchteten.
http://www.kofa.de/themen-von-a-z/fluechtlinge

Wenn es darum geht die Frage zu beantworten, wer, ab wann, wo arbeiten darf bietet das Bundesamt für Migration einen nutzwertigen Überblick in mehreren Sprachen:
http://www.bamf.de/DE/Infothek/FragenAntworten/ZugangArbeitFluechtlinge/zugang-arbeit-fluechtlinge-node.html

Einen weiteren Überblick findet man auf den Seiten der Caritas unter:
https://www.caritas.de/fuerprofis/fachthemen/migration/zugang-von-fluechtlingen-zum-arbeitsmark









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