„Suche nach Jobs für Geflüchtete ist keine einfache Sache“

Warum Patenschaften für Geflüchtete wichtig sind – und welche Rolle bei der Jobsuche persönliche Netzwerke spielen, verrät die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Aydan Özoğuz im Interview. Faru Özoğuz, welche Rolle spielt ehrenamtliches Engagement für die Integration von geflüchteten Menschen in Deutschland?


Staatsministerin Aydan Özoguz (c) Bundesregierung / Denzel
Staatsministerin Aydan Özoguz (c) Bundesregierung / Denzel
21. November 2016
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Faru Özoğuz, welche Rolle spielt ehrenamtliches Engagement für die Integration von geflüchteten Menschen in Deutschland?

Eine herausragende Rolle! Das großartige und andauernde Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer war und ist eine enorme Stütze für Menschen, die vor Krieg, Terror und Verfolgung zu uns geflohen sind. Die Ehrenamtlichen tragen zum Willkommen vor Ort bei. Sie unterstützen bei ersten Behördengängen, sammeln Sachspenden, bieten Freizeit-Aktivitäten an oder spenden einfach ihre Zeit für persönliche Begegnungen. So schaffen sie erste Kontakte im neuen Umfeld. Ich bin stolz, was Ehrenamtliche und Hauptamtliche besonders in den vergangenen zwei Jahren für geflüchtete Menschen geleistet haben.

 

Viele Arbeitgeber würden gerne einen Flüchtling einstellen, scheitern aber oft an der intensiven Betreuung, die – gerade zu Anfang – nötig ist. Können hier ehrenamtliche Job-Paten sinnvoll die Lücke schließen?

Die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt ist oft ein langer Prozess. Je nach Aufenthaltsstatus und Aufenthaltsdauer gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hier den Durchblick zu behalten, erfordert viel Sachkenntnis und Unterstützung. Darum bietet die Bundesregierung gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag Informationen für Unternehmen über das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ an. Bei den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben sich einige spezialisiert auf die Suche nach Praktika und Arbeit. Sie begleiten von der Anerkennung der Abschlüsse, der Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern und Behörden über die Erteilung einer Arbeitserlaubnis bis zur Unterzeichnung des Arbeitsvertrages. Dieser Prozess ist oft mühsam. Umso mehr verdient das Engagement dafür unsere Anerkennung. Ich wünsche mir, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer weiterhin derart ambitioniert unterstützen. Auch während der ersten Wochen im Betrieb ist eine Unterstützung durch Patinnen oder Paten sinnvoll. Sie können zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermitteln. Viele Missverständnisse können durch sie vermieden werden. Denn es ist klar, dass viele geflüchtete Menschen nicht von vornherein den Anforderungen des Arbeitsplatzes in jeder Hinsicht gewachsen sind. Es gibt sprachliche Barrieren, vielleicht auch Unsicherheiten über die Verhaltensweisen im Beruf oder arbeitsrechtliche Fragen. Hier können Job-Patinnen und Paten, zu denen ein Vertrauensverhältnis besteht, unterstützen, stabilisieren oder auch motivieren.

 

Den ersten Job finden wir oft über persönliche Netzwerke. Den meisten Flüchtlingen fehlt jedoch das nötige „Vitamin B“. In der Aktionswoche wollen wir möglichst viele Menschen in Deutschland dazu motivieren, ihre persönlichen Netzwerke zu teilen. Was halten Sie davon?

Geflüchtete Menschen verfügen bei uns in Deutschland am Anfang in der Regel über keine nennenswerten Netzwerke. Erst im Laufe der Zeit können sie durch Kontakte zu Einheimischen eigene Netzwerke aufbauen. Ohne ehrenamtliche Unterstützung ist das kaum zu schaffen oder dauert zumindest sehr lang. Um diese Zeitspanne zu verkürzen, kann „Vitamin B“ eine gute Hilfe sein. Ich finde es wichtig, Menschen für Patenschaften mit Geflüchteten zu finden, um so die Netzwerke und Möglichkeiten auszubauen. Das ist die Art von Integration, die wir brauchen: Menschen, die auf andere Menschen zugehen, den Kontakt suchen, gemeinsam etwas unternehmen und einander unterstützen. Gerade der Arbeitsmarkt bietet viele Möglichkeiten dazu. Die Paten haben Berufe erlernt, sind in Unternehmen und Vereinen tätig, haben Kontakte zu ihrem eigenen Arbeitgeber und zu Freunden und Bekannten, die wiederum andere Arbeitgeber kennen. Sie können von Berufen und den nötigen Anforderungen berichten und damit dazu beitragen, realistische Ziele abzustecken. Die Suche nach einem ersten Job für Geflüchtete ist keine einfache und schnelle Aufgabe. Da kann ein Netzwerk natürlich helfen, um den Erfolg zu befördern – und sei es im ersten Schritt ein Praktikum zur Erprobung.

 

Zur Person

Die gebürtige Hamburgerin Aydan Özoğuz (49)  ist seit Dezember 2011 eine der sechs stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD. Im Juni 2013 wurde sie zur ersten Bundesvorsitzenden der SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt gewählt. Seit Dezember 2013 ist als Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration tätig.

 

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